Am 1. September sollte zum ersten mal der Nationalpark-Bike-Marathon
stattfinden. Die Strecke würde entlang des Nationalparks, über die Landesgrenze
nach Italien, durch den Stelvio-Nationalpark und zurück in die Schweiz
führen, hiess es. Ich war begeistert von dieser Idee und meldete mich
für die längste Strecke, 134 km, von Scuol nach Scuol an. Die Newsletter
der Organisatoren erreichten mich regelmässig per E-Mail. Im letzten
hiess es, sie hätten bereits mehr als 650 Anmeldungen. "Schön", dachte
ich mir. Beim Swiss Bike Masters und Grand Raid Cristalp waren es jeweils
mehr als 4000! Diese Zahl sollte sich noch ändern, ist doch der NPBM
der einzige Marathon, bei dem man sich noch nachmelden konnte.
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Samstag, 31. August
Ich reiste mit dem PW nach Scuol. Kaum erreichte ich das Start-/Zielgelände,
begann es in strömen zu regnen. Einen Marathon lang Regen. Mein schlimmster
Alptraum. Nach 10 Minuten hatte ich meine Startnummer, war aber völlig
durchnässt. Ich machte mich auf den Weg über den Flüelapass nach Davos,
wo ich mich verpflegte (kein Bier...) und dann zu Bett ging.
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Sonntag, 01. September
Tagwache 0400 Uhr. Mit Mühe konnte ich die aufgewärmten Spaghetti zu
mir nehmen. Es blieb mir keine andere Wahl, vor einem so langen Wettkampf
muss am Morgen gegessen werden. Egal, es regnete immer noch. Zum Glück
war der Regen im Engadin etwas weniger heftig. In Scuol angekommen,
kontrollierte ich mein Bike das letzte mal. Startnummer anbringen und
auf zum Start. Das Startfeld war immerhin 390 FahrerInnen gross. Doch
was soll ich anziehen? Es hatte aufgehört zu Regnen, und der Himmel
wurde auch immer heller. Ziehe ich zu viel an, habe ich zu warm und
umgekehrt. Ich entscheide mich für das kurze Trikot, obwohl einige Biker
in Startfeld immer noch die Regenjacke tragen. Diese Pessimisten. 0700
Uhr, Startschuss. Die Strecke führt entlang des Nationalparks auf mehrheitlich
asphaltierten Strassen bis nach S-charl. Ideal um sich einzufahren und
seinen Rhythmus zu finden (Puls 180). Es geht weiter auf Naturstrassen
bis zur Alp Champatsch, wo sich der erste Verpflegungsposten befindet.
Ab jetzt geht es auf einem Singletrail hoch zum Pass da Costainas. Der
Trail ist gut befahrbar, absteigen ist noch nicht nötig. Nach einer
kurzen, anfänglich steilen Abfahrt, erreiche ich bereits Fuldera im
Münstertal. Ich verzichte auf einen Halt am Verpflegungsstand, trinke
nur flüssige Kohlehydrate aus meinem Bidon. Voller Eifer nehme ich eine
kurze Abfahrt in Angriff. Leider etwas zu forsch. In einer engen Rechtskurve
bin ich etwas zu schnell, so dass mir das Vorderrad wegrutscht. Scheiss
Pneu, denke ich. Der rechte Unterschenkel ist stark aufgeschürft, und
das Gesäss schmerz auch. Ich sammle mich kurz, lasse mit einem Urschrei
den Dampf ab, kontrolliere das Bike (noch ganz) und schwinge mich wider
auf den Sattel. Hinauf nach Döss Radond nimmt der Schmerz immer mehr
zu. Gleichzeitig muss ich mir Kommentare und mitleidende Worte anderer
Teilnehmer anhören. Aber jeder Aufstieg hat mal ein Ende. Endlich oben,
fahre ich in einem hohen Tempo durch das Val Mora, bis ich endlich an
einen Sanitätsposten komme. Die Wunddesinfektion wirkt Wunder. Der Schmerz
geht zurück und ich fahre motiviert weiter.
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Beim Lago di Alpisella staune ich nicht schlecht, als mir plötzlich
ein italienischer Polizist den Streckenverlauf anzeigt. Der Aufstieg
zur Alpisella ist am Anfang steil, ich werde aber mit einer wunderschönen
Bergkulisse entlöhnt. In der Abfahrt nach Livigno fährt vor mir eine
Frau. Nichts gegen Frauen, aber die meisten sind sehr schlechte Abfahrerinnen.
Ich bin überrascht, die aus Deutschland kommende Bikerin fährt wie eine
Sau. Nur mit Mühe komme ich überhaupt an ihr vorbei. Endlich in Livigno.
Ich esse eine halbe Banane und muss ganz dringend hinter die Büsche.
Und weiter geht's. Vor mir sehe ich viele Berge, die ich irgendwie überqueren
muss. Auf der rechten Talseite sehe ich auch schon den Aufstieg zum
Pass Chaschauna. Brutal steil. Ich steige ab meinem Bike und mache es
wie alle anderen auch. Stossen, schieben, tragen. Nur fahren können
wir nicht. Der Aufstieg scheint kein Ende zu nehmen. Nach jeder Kehre
kommt die nächste. Doch da, endlich ist das Refugio in Sicht. Von da
sind es nur noch 5 Minuten bis auf den Pass. Ich erreiche die Passhöhe
nach 50 Minuten gehen... Die freundlichen Streckenposten des Festungswachtkorps
motivieren mich und ich trinke einen Becher Bouillon. Die Abfahrt ist
sehr, sehr anspruchsvoll. Den Arsch weit hinter den Sattel schieben
und voll konzentriert den schwierigen Singletrail runterfahren. Ich
habe Angst, dass meine Felgen durch das heftige bremsen zu heiss werden,
also lasse ich zwischendurch einfach mal die Bremsen los. Das schwierige
Stück ist geschafft und durch das Val Chaschauna fahrend denke ich mir,
dass mich keiner mehr überholen darf. Ich fahre vollgas, einen Sturz
hatte ich ja bereits. Ich passiere S-chanf und nehme in Zernez einen
neuen Bidon von meinem Betreuer entgegen. Ich verpflege mich mit diversen
Gels und Flüssignahrung. Die Strecke führt am Inn entlang bis nach Ardez,
wo wir die Talseite wechseln. Ich fahre der Strasse entlang nach Ftan
und erwarte sehnlichst die letzte Abfahrt nach Scuol. Es geht noch etliche
male auf und ab, bis ich schliesslich auf der Innbrücke in Scuol dem
Ziel entgegen fahre. Nach knapp 8h 30min bin ich endlich am Ziel, und
lasse mich nach dem duschen nochmals verarzten. Die Strecke ist schnell,
der Aufstieg zum Pass Chaschauna mühsam, die Abfahrt dafür geil. Ab
Kilometer 80 geht es grundsätzlich abwärts. Aufpassen muss man trotzdem.
Die Rega musste auch Einsätze fliegen. Die Organisation war gut, und
ich bin nächstes Jahr sicher wieder dabei. Du auch?
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Für euch dabei, Martin Rodel 
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